Kranke Gesellschaft: Chronisch kranke Krankenhäuser killen unsere Krankenversorgung


Chronisch kranke Krankenhäuser killen unsere Krankenversorgung 

Ich bin sauer. Stinksauer. Als Patient und als Bürger. Was ich wieder in unserem so hochgelobten Gesundheitssystem erleben durfte, geht auf keine Kuhhaut! Nanana, mag Mancher da denken – ist das nicht sehr subjektiv, kann der Steinholzheim das überhaupt beurteilen? Ich glaube wohl, denn ich darf behaupten über ausreichend Erfahrung mit dem deutschen Gesundheitswesen zu verfügen. Seit über 30 Jahren bin ich Dialysepatient, was bedeutet, dreimal in der Woche das Blut gereinigt zu bekommen. In all den Jahrzehnten natürlich immer wieder unterbrochen und „bereichert“ durch Krankenhausaufenthalte bei Komplikationen sowie im Rahmen von zwei Transplantationen, die jedoch beide fehlschlugen. Und so weiß ich: Es ist schlimmer geworden und wird anscheinend unaufhaltsam immer noch schlimmer.

Das letzte Jahr war der Horror

Und es war der Horror nicht nur wegen des Krankheitsbildes und seines Verlaufes, sondern wesentlich auch wegen der Umstände, die ich in den Krankenhäusern erleben musste. Mehr als drei Viertel des letzten Jahres verbrachte ich in drei verschiedenen Krankenhäusern. Eines schlimmer als das andere. Die Situation in unserem Gesundheitswesen stinkt zum Himmel. Man möchte es herausschreien. Doch wen soll man anschreien? Am allerwenigsten sicher jene, die im Krankenhaus unter unsäglichen Bedingungen versuchen, eine menschenwürdige Pflege aufrecht zu erhalten.

Das „Produkt“ eines Krankenhauses sollte die Gesundheit der Patienten sein, die es wieder verlassen. Das ist, nein: sollte das Leistungsprofil eines Krankenhauses sein … meint man denken zu dürfen.

Der Gewinn eines Krankenhauses ist nicht die Gesundheit

Die himmelschreiende Überschuldung der Kommunen hat aber dazu geführt, dass die meisten Krankenhäuser privatisiert wurden und nun großen Betreiber-/Investmentgesellschaften gehören. Der einzige Sinn eines Unternehmens, den sich solche Gesellschaften vorstellen können, ist jedoch Profit, nicht Gesundheit. Damit Profit entsteht, muss man an gesundheitsfördernden Maßnahmen sparen. D.h. die Marge eines Krankenhauses ergibt sich aus den Kürzungen die möglich sind, bevor es nicht mehr wirklich Krankenhaus zu nennen ist. Und am meisten einsparen kann man bekanntlich am Personal. Hier ist eine groteske Situation entstanden, die an der Gesellschaft vorbei, kaum wahrgenommen, erst dem auffällt, der sich dem System als Patient anheim geben muss. Wie kann es sein, dass die Nachtschichten in großen städtischen Kliniken zu 80 % mit Leiharbeits-Kräften besetzt sind, die noch nicht einmal eine Ausbildung als Krankenschwester oder Pfleger haben? Die paar zusätzlichen – in ihrer tatsächlichen Ursache nicht dokumentierten – Toten, die darüber im Jahr vermutlich anfallen, sind doch ein billiger Preis dafür, dass hier die Marge noch einmal kräftig verbessert werden konnte, meinen Sie nicht auch? Dass die guten Seelen in der Pflege, die den Dienst am Menschen leisten, wie Abschaum bezahlt und damit missachtet werden, ist ein Skandal, über den sich niemand aufregt …

Die Symptome bleiben im Dunkeln

Denn die Unsumme an Fehlern, die tagtäglich in deutschen Krankenhäusern passieren, wird für immer eine Unbekannte bleiben. Als aufmerksamer Patient kann ich höchstens von den Fehlern, die ich an mir selbt erfuhr, in etwa schätzen, hochrechnen, wie schlimm die Situation tatsächlich ist. Falsche Tablettengabe, verkehrte Untersuchungsanordnungen, fehlende oder nicht ausgeführte Untersuchungen, krasse Mängel in der Pflege – die bei mir persönlich zum Beispiel zu einem völlig unnötigen Dekubitus führten – sind nur einige der typischen Fehlleistungen dieses völlig überforderten Systems. Meine Klage gegen das Haus wegen dieses Dekubitus’ – eine klare Verfehlung der Pflege – wurde bislang nur mit einer frechen Lüge durch das Krankenhaus beantwortet, in der sie schreiben, ich hätte das nicht gewollt und darüber besäßen sie eine Dokumentation. Ungeheuerlich. Wäre nur noch zu toppen durch die eventuell noch folgende Vorlage dieser gefälschten „Dokumentation“. Das bleibt spannend.

Ein normaler Mensch, der in diesem System arbeitet, kann kaum gute Laune haben oder mit Freude an die Arbeit gehen. Woher auch? Ist er oder sie doch ständig an der Oberkante der Leistungsfähigkeit, mit fehlendem Personal und fehlenden materiellen Ressourcen konfrontiert, in ständiger Improvisation und vor allem mit so wenig Zeit ausgestattet, dass die heilsame Kommunikation mit Patienten völlig hinten herunterfällt. Von einer kommunikativen Ausbildung, die es diesen Kräften ermöglichen würde, mit Menschen in Not und Krankheit emphatisch und heilsam zu kommunizieren, ganz zu schweigen. Und dass Ärzte noch heute in ihrem ganzen Studium nur ein Semester Psychologie, meist statistische Psychologie (!), mitgegeben bekommen, ist ist so irre, dass es schon fast zum Lachen ist. Statistik hat noch niemandem in der zwischenmenschlichen Kommunikation geholfen … Man könnte sagen: Was für eine liederliche Ausbildung!

Dazu passt die von uns oftmals wahrgenommene wirklich schlampige hygienische Pflege der Räume, in denen Heilung geschehen soll. Fast schon wie eine Persiflage wirken da die pro forma Maßnahmen, wenn dann bei einem Patienten die berüchtigten MRSA-Keime – „Krankenhauskeime“ – festgestellt werden und Angehörige in Atemmaske und schlampig übergeworfene Umhänge zum Patienten dürfen. Von einem echten Schutz oder einer Quarantäne ist hier nicht ernsthaft zu sprechen. Schon gar nicht, wenn dann das Personal aus Zeitnot dennoch „mal eben kurz“ reinkommt und irgendetwas erledigt. Bei mir wurde z.B. ein solcher Keim gefunden, weswegen ich die Privatpatientenräume verlassen musste – der Keim wurde danach nie wieder nachgewiesen. Ein Strolch, der Schlimmes dabei denkt …

Natürlich gibt es auch leuchtende Beispiele von Menschen, die sich mit Herz und Kompetenz zu ihrem Besten für das Wohl der Patienten einsetzen. Der Situation geschuldet balancieren sie jedoch meist am Rande des Burn Out und halten diese innere Einstellung in der Regel nicht sehr lange durch, bevor sie den Eindruck bekommen, den Job wechseln zu müssen. Wir, meine Frau und ich, waren froh und dankbar über jede einzelne Person, die es noch gut meinen konnte. Ansonsten fanden wir uns oft in der Position der geduldigen, ausgleichenden Psychologen, die die Angestellten weise zu führen versuchten, damit wir wenigstens das bekamen, was notwendig schien. Den erheblichen Umfang an – eigentlich professioneller – Pflege, den meine Frau für mich übernahm, will ich hier gar nicht ausbreiten. Ohne sie wäre ich wohl nicht „heil“ da heraus gekommen; ihre Sicht auf die Situation könnt Ihr auf Angelika’s Blog nachlesen.

Na, wie geht’s uns denn heute?

Für einen normalen Menschen, Patienten, schwer zu verdauen ist auch die paternalisierende Haltung des Personals zu den Patienten. Mit erwachsenen Menschen wird hier umgegangen als wären sie nichts wissende Kinder, die sich nun ganz in die Hände dieses Apparats geben sollen, nichts hinterfragen sondern gehorsam funktionieren sollen. Weicht ein Patient auf der Verhaltensebene oder in Bezug auf sein komplexes Krankheitsbild von der Gaußschen Normalverteilungskurve der anderen behandelten Patienten ab, wird ihm nur unwillig die besondere Behandlung teil, die er benötigt – sondern er bekommt in erster Linie das Gefühl vermittelt, zu stören. Es braucht auf Patientenseite eine gehörige Portion Beharrlichkeit und geistige Klarheit, um dennoch die Leistungen zu erhalten, derer er benötigt. Auf der anderen Seite ist all dies sehr verständlich – denn es fehlt an Zeit, Kompetenz und Geld.

Gesellschaftliche Fehleinschätzung der Situation

Wenn ich dann Webseiten sehe wie die Weiße Liste, wo die Qualitäten von Krankenhäusern beurteilt werden – intern und auch durch Patienten – verursacht dies bei mir nur noch ein bitteres Lächeln. Im Lande Hessen sollen in Zukunft nur noch die Krankenhäuser gefördert werden, die „bessere“ Bewertungen bekommen. Ein böser Witz. Denn alle Häuser kämpfen mit den gleichen unzumutbaren Rahmenbedingungen. Selbstverständlich ist es hier noch nicht so schlimm wie in Griechenland, wo als Folge der Austeritätspolitik Menschen in den Gängen der Krankenhäuser verrecken, weil es keine Medizin mehr für sie gibt. Aber der Weg, auf dem sich unser Gesundheitssystem befindet – Privatisierung, Kostendruck, Personalverknappung und ausschließliche und kurzfristige Orientierung am Profit statt an der Volksgesundheit – ist grundfalsch. Da mögen die deutschen geschönten Statistiken uns in die Spitzengruppe der Länder dieses Planeten einordnen – was auf eine perfide Weise auch stimmt – nur ist auch die gesamte Spitzengruppe todkrank.

Eines ist sicher: es wird nicht besser

Der Change, der hier erfolgen müsste, wird nicht erfolgen. Denn das würde bedeuten, aus der quartalsweisen pekuniären Ergebniserzielung auszusteigen und wirklich dafür sorgen zu wollen, jenseits von Profitstreben, dass die Menschen gesund sind, gesund bleiben und wenn sie krank werden auf die bestmögliche Art und Weise wieder geheilt werden können. Zu viele Lobbyinteressen, auf die ich gar nicht eingehen möchte und eine unersättliche Profitgier werden nachhaltig verhindern dass die Gesundheitssysteme besser werden.

Gut gerüstet in den Dschungel

Eins noch: begeben Sie sich in diesem gefährlichen Dschungel des Krankenhauses niemals allein. Da das System ständig Fehler produziert, muss es ständig kontrolliert werden. Sollten Sie so krank sein, dass sie zeitweise diese Kontrolle selbst nicht mehr ausüben können, ist es überlebensnotwendig, einen Partner oder eine Partnerin dabei zu haben, die diese Kontrollfunktion für sie übernimmt. Ansonsten können Sie sich jetzt schon zu der nie veröffentlichten Dunkelziffer jener Fälle rechnen, bei der Dinge schief gehen mit schlimmen und schlimmsten Konsequenzen. Davon hört und sieht man natürlich nie etwas. Deswegen ja auch Dunkelziffer.

Ach ja: herausbekommen, was die Ursachen meines Krankheitsbildes sind, haben wir in diesen anderthalb Jahren nicht. Und so ziehen wir weiter, weiter in die angrenzenden Gebiete der Medizin. Auf eigene Kosten, versteht sich …

Unser Beitrag zur Verbesserung …

… kann nur ein bescheidener sein. Als Trainer und Coaches mit all’ der Erfahrung im Gesundheitswesen bieten wir seit neuestem ein Seminar für MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen: „Gelassener Umgang mit schwierigen Patienten“ an. Da ich sicher einer der schwierigsten, da selbstständigsten Patienten bin, bringe ich die volle Qualifikation gemeinsam mit meiner sich unter schwierigsten Umständen heldenhaft bewährten Frau mit. Wir haben dieses Seminar erfolgreich für einige mittelständige Praxen durchgeführt und große Dankbarkeit der TeilnehmerInnen erfahren, die sich ja zum Großteil wirklich wünschen, besser mit den Menschen umgehen zu können.

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Der %-Hebel für den EU-Wahlkampf


Transparenz in der EU nur mit Piraten

[Weil das hier: https://wahlkampforga.piratenpad.de/1 – trotz der sicher vielen Arbeit, die aufrechte Piraten da reingesteckt haben – außerhalb des – und auch innerhalb des Piratenuniversums weder verstehbar noch wirkungsvoll sein kann.]

kifferGleichzeitig bezieht sich die folgende Darstellung eines Grobkonzeptes zur EU-Wahl auf das erste, mit weitem Abstand nach vorne gewählte Thema der Piratenpartei.

Auf dem Vorstandsportal heißt es dazu:

Quote: „Das Thema “Demokratie-Upgrade” entstand aus dem Gedanken, dass Abkommen wie TTIP in einem wirklich demokratischen Europa nicht möglich sein dürfen.
Unser Fokus bei diesem Thema liegt darum darauf, mehr Transparenz in die Strukturen der EU
und mehr Mitbestimmung durch die Bürger einzufordern.“ End of Quote.

Herleitung des Konzeptes

Niemand (außerhalb der Filterbubble) wählt Piraten für ihre Themen.
Niemand (adFb) wählt Piraten wg Urheberrecht. Oder Asyl. Oder sonst was.

Auch damals im Höhenflug wählten sie uns, weil wir die einzigen waren, die glaubhaft unbestechlich gegen das Establishment aufstanden und mehr Transparenz in Bezug auf die undurchsichtigen Machenschaften der Mächtigen versprachen

Unser Nutzen für die Gesellschaft ist nicht, dass wir ein tolles Programm haben (das braucht es auch),
sondern unser Nutzen für die Gesellschaft ist STRUKTURELLER Natur.

2. Beispiel – neben ‚Transparenz‘: Auch ‚Mehr Demokratie‘ ist kein thematischer Schwerpunkt, sondern ebenfalls ein struktureller Nutzen in der Veränderung der Rahmenbedingungen.

Und im Gegensatz zur Frage, wofür wir eigentlich stehen (Bürger sind in Bezug darauf verwirrt) – kapiert DAS jeder:

Wir sind aufrichtig anders als die Etablierten. Das ist unsere „Reason why“.

Wir sind in Bezug auf dieses Thema 100% glaubwürdig

Weiß ja jeder: „Eine (EU-)Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Wir aber – sind keine Krähen!

CDUSPDFDPGRÜNE wählen bedeutet nur die Verlängerung des  Bestehenden. Obwohl – oder gerade weil wir als chaotisch und als Unruhestifter gelten, trauen uns die Bürger zu, dass wir als einzige dort den Finger in die Wunden legen werden.

[Caution > act now!]

Als einzige? Aus Kreisen der AfD ist bekannt, dass sie eine nicht unähnliche Positionierung für den EU-Wahlkampf anstreben: „Die AfD sagt laut, was bei den EU Institutionen, bei ESM, beim Euro-Krisenmanagement  etc. alles falsch läuft.“

Outside our Filterbubble – was ist wirklich los mit der EU-Wahl bei den Bürgern?
Belegt durch Studien

Europamüdigkeit – oder Mißtrauen gegenüber den EU-Institutionen?

Niemand traut den fernen Mauscheleien in Brüssel. Was man da alles so hört … die machen wohl, was sie wollen oder gar nix, und kriegen noch Riesen-Knete dafür. Außerdem ist die halbe Bagage wahrscheinlich von Lobbyisten gekauft. Ob es sich wirklich lohnt, bei der Wahl überhaupt mit zu machen – wahrscheinlich nicht, „ändert ja eh nix!“

Dieses angebliche Europa-Misstrauen meint aber eigentlich die undurchsichtigen EU-Institutionen. Guckst Du hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-buerger-misstrauen-europaeischer-krisenpolitik-a-933947.html und hier: http://www.dw.de/europ%C3%A4er-misstrauen-europa/a-16774395 http://www.sueddeutsche.de/politik/umfrage-zu-europa-skepsis-immer-weniger-buerger-vertrauen-der-eu-1.1658483 http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2013/09/55645/    Zitat hieraus:
„Das EU-Parlament und die EU-Kommission sind die beiden Institutionen, denen die Deutschen am wenigsten vertrauen.“

Das Netz ist voll davon. Ergo:

Piraten-Kampagne für EU-Wahl mit DER von uns zur No.1 gerateten Kernbotschaft

(+Themenbotschaften)
–       auch für ’sonst nicht Piraten-Wähler(!)‘:
–        Themen-Botschaften zu TTIP, Asyl, Europa der Regionen, mehr Demokratie etc, hängen alle organisch an der Hauptforderung dran.  

„Transparenz in der EU nur mit Piraten“

Die oben aufgeführte Argumentationskette gehört damit m.E. in die Interviews der Kandidaten und eingeflochten in alles, was wir zum Thema EU verlautbaren lassen.

Draft-Beispiele für Umsetzung als Plakat: Strategisch, kernig, gut.

Oben: Transparenz für Europa nur mit Piraten
Darunter, zentral: Bild von Zielgruppentypen
Unten, groß, gut lesbar:

  • Oma/Opa  – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.
  • 68er/Althippy – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.
  • Kiffer – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.
  • Manager – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.
  • Künstler/Musiker – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten
  • Spießer/Normalo – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.
  • Techno/Dancer – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.
  • Yuppy – Ich will mehr Transparenz für Europa. – Ich wähle diesmal Piraten.

Alternativ: Ich will wissen was da läuft – deswegen diesmal Piraten.

Grobskizzen für Plakate (Ich bin Stratege, kein Grafiker 😉

Die beiden ersten sind von Robert Schiewer, der das technisch eindeutig besser kann als ich 😉

Transparenznurmitpiraten Transparenz8Greis Opi

Deswegen diesmal Piraten

AsiatinJugend

Sicher haben da andere noch gute Ideen/Formulierungen/Gestaltungen dazu – der Schlüssel jedoch ist m.E. Transparenz, denn das fehlt nachweislich am meisten in der EU- ‚Verwaltung‘.

T R A N S P A R E N Z : ‚Der Wille zur Macht‘ oder: ‚Die Sehnsucht nach Vertrauen‘


Es ist der heilige Gral der Piratenpartei. Das Thema überhaupt in die Hand zu nehmen, erfordert Mut, weil es unser emotionalstes Thema überhaupt ist. Wir wollen es dennoch wagen, denn wir sind PIRATEN. Wir brechen auch im Diskurs in Galaxien auf, die noch nie ein Mensch zuvor diskutiert hat …

Die Forderung nach Transparenz ist aus unserem Schmerz geboren. Aus dem Schmerz, als Bürger intransparenten politischen Prozessen und ihren zum Teil verheerenden Folgen ausgesetzt zu sein, jeden Tag. Jene, die die Macht haben, erschaffen ihre Macht nachgerade durch Abschottung der internen Information. Also standen und stehen wir – ohn-mächtig – draußen auf der Straße und wollen Einblick. Einblick in die Machtstrukturen, um sie zu beeinflussen, und ihre oftmals lobbygesteuerten Ergebnisse zu unterbinden. Kurz: um sie besser zu kontrollieren.

Kontrolle ist die Bedingung der Möglichkeit der Macht.

Ohne Kontrollmöglichkeit, keine Macht. Also geht es in Wirklichkeit nicht um Transparenz als Wert, sondern um Macht. Und Macht ist tatsächlich ein Wert, Transparenz – nach allen zeitgenössisch geltenden Wertemodellen – hingegen nicht.

Kurzes Interruptum:

‚Macht‘ ist gerade in Deutschland dermaßen negativ belegt, dass, wenn uns bewusst würde, das wir hier selbst nach Macht streben, wir uns vor uns selber meinen ekeln zu müssen. 

Obacht: Macht auszuüben, um ‘Das Gute für das Ganze‘ zu befördern, ist nicht nur nicht verwerflich, sondern exakt das, wofür wir zutiefst stehen. Dafür gilt es Verantwortung zu übernehmen. 

Was also ist mit dem Begriff Transparenz im politischen Raum gemeint? 

Welche Bedeutungen kann man dem Wort geben? Welche nicht?

  • Wikipedia: Transparenz ist in der Politik ein Zustand mit freier Information, Partizipation und Rechenschaft im Sinne einer offenen Kommunikation zwischen den Akteuren des politischen Systems und den Bürgern. Damit eng verbunden ist die Forderung nach Verwaltungstransparenz und Öffentlichkeitsprinzip. 

Als zugrundeliegende Metapher dient die optische Transparenz: 

Ein transparentes Objekt kann durchschaut werden … 

… und zwar immer. Und damit wird die Metapher überspannt in nicht mehr sinnvolle Extrempositionen, nämlich:

Transparenz Version 1.0 – Wollt ihr die Totale Transparenz?! 

„Vollständige Transparenz ist einen Bringpflicht, immer“, hören wir immer wieder. Wenn dem jeder zu entsprechen versuchte, könnte niemand mehr arbeiten. Auch jene nicht, die die ‚Totale Transparenz‘ so vehement fordern.

Das eigentliche Problem ist demnach nicht ‚Transparenz oder keine Transparenz‘.

Problematisch ist es, die Frage genau so zu denken. 

Die unangemessen simple binäre Fragestellung und die dadurch provozierte, oft gnadenlos gestellte Forderung nach einem klaren Ja oder Nein ist das Problem.

Duales Denken ist eine Erkenntnisbarriere 

Denn wer hier auf ein klares Ja oder Nein besteht, übt eine unverhältnismässig brutale Macht aus, die einen Großteil der realen Möglichkeiten ausschließt. Mehr noch: Der jeden als böse zu brandmarken versucht, der sich nicht sofort einem absolutistischem Ja anschließt. Ein ‚Es kommt drauf an‘ scheidet so unvernünftigerweise völlig aus …

Hier wirkt ein ungeheuerlicher, normalerweise nicht bewusst kommunizierter Glaubenssatz im Hintergrund, nämlich:

„Intransparent = Böse“.

So etwas nennt man in der Semantik (Lehre von der Bedeutung) eine ‚Komplexe Äquivalenz‘. Weil die beiden Begriffe eben keine echte Äquivalenz (Gleichheit) besitzen. Es muss einen komplexen Hintergrund, weitere Vorannahmen, Erfahrungen und weitere Glaubenssätze etc. geben, die das aus sich selbst heraus nicht logische Konstrukt innerlich irgendwie doch konstituieren. Dabei erscheint die Bedeutung dem, der es so fühlt, dennoch völlig logisch. So logisch, dass man darüber nicht nachdenken braucht.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es gibt niemanden, der nicht solche ‚Blinde Flecken‘ in seinem Weltbild hat. Wofür wir plädieren ist, gelassen mit ihnen umzugehen. Und sie schleunigst aufzulösen, so man sie denn entdeckt.

Es geht also nicht um ‘ob oder ob nicht’, sondern um: ‚Wie genau?‘ 

Nämlich: Wieviel Transparenz – in welchem Falle – für wen – auf welche Art und Weise? Verflixt: Das ist aber aufwändig – sowohl konzeptionell als auch technisch! Und gleichzeitig unabdingbar notwendig. Also braucht esabgestufte Formen der Transparenz.

Ich höre schon den Aufschrei. Wer bei der absolut gesetzten ‚Ganz oder garnicht‘-Forderung bleibt, wird hier: „Wehret den Anfängen“, rufen. Und wer das so fühlt, hat – und das gilt es zu würdigen – einen tief empfundenen Grund dazu. Hier spielt im Hintergrund eine emotionale Stimmung, eine aus schmerzhafter Erfahrung grundsätzlich misstrauische Weltsicht mit, über die schwer zu sprechen ist. Warum? Weil wir uns dazu selbst ganz persönlich anschauen müssen. Das aber ist der höchste stellbare Anspruch an sich und andere Menschen überhaupt. Tun wir es dennoch. Denn wir sind PIRATEN. To boldly go …

Selbstreflektion ist unersetzbar, um sich selbst transparent(er) zu werden 

Es beginnt alles in der Kindheit, wo auch sonst. Einige wachsen mit großem Vertrauen in die Welt und ihre Bewohner auf, andere mit weniger oder einem total gebrochenen Verhältnis zu dem Begriff ‚Vertrauen‘. Dafür können wir nichts. Jetzt sind wir groß und stark und können es endlich selbst in die Hand nehmen, für Anstand. Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufrichtigkeit zu sorgen. Das macht natürlich jeder anders – ausgehend von seinen frühkindlichen Prägungen. Au weia. Zeit, ein weiteres, spezielles Mienenfeld emotionaler Detonationspotentiale mutig zu betreten.

Beispiel:

Wenn jetzt einer, der davon ausgeht, dass man Menschen, die sich entsprechend äußern, erstmal vertrauen kann, zu einem, der das nicht so fühlt, sagt: „Hey Bruder, ich weiß, dass es Dir schwer fällt zu vertrauen – (was möglicherweise was mit Deiner Geschichte zu tun hat) – bitte tue es dennoch,“ wird eben kein Verständnis ernten, sondern höchstwahrscheinlich Empörung und noch mehr Misstrauen. Kooperation? Fehlanzeige! 

Und wenn aber der Zweite zum Ersten sagt: „Warum verstecken Du und Deine Freunde sich (pad, mumble, whatever) hinter geschlossenen Türen?“ wird der Erstere sich ganz zu unrecht unlauterer Motive beschuldigt fühlen. Schlimmer: Angegriffen wird er sich fühlen und womöglich agressiv gegen die ‚ungeheuerlichen Unterstellungen‘ vorgehen. Speziell, wenn er bereits viel FÜR die Partei geschuftet hat, wirft er womöglich den Bettel hin und geht. Dabei meinen es beide doch gut! Und beide fühlen sich total im Recht! 

Und tatsächlich wollen sie beide zutiefst dasselbe: Eine Welt erschaffen, in der Gerechtigkeit, Freiheit und Nachhaltigkeit – und wir fügen zu unseren 2012 in Bochum verabschiedeten Werten einen weiteren hinzu:Verbundenheit – mit Leben erfüllt werden und dauerhaft unser aller Leben einen würdigen Rahmen geben.

Und weil das so komplex ist, kann es keine ganz einfachen Lösungen geben. Jeder schaue zuerst bei sich selbst und habe den Mut, an sich zu arbeiten, statt alles Schlimme auf andere zu projezieren. Bei Gott (?!) keine wirklich neue Idee!

Es macht keinen Sinn, aus Angst vor Absolutisten voreilig die Hosen runterzulassen – genausowenig, wie sich grundlos hinter unnötigen und vertrauensschädigenden Wällen zu verstecken.

Eine Partei besteht aus Menschen, die sich in Grundsätzlichem auf der Werteebene verbunden fühlen, sonst blieben sie nicht zusammen. Der Weg zu echter, gefühlter Verbundenheit ist lang. Dabei meint hier Verbundenheit beileibe nicht, immer einer Meinung zu sein. Wie gesagt – Was uns verbindet, sind Werte, nicht Meinungen.

Verbundenheit – unser höchstes Gut, auch und gerade im DisKurs 

Was Transparenz für die Macht ist, ist Vertrauen für Verbundenheit:

Die Bedingung der Möglichkeit, dass Verbundenheit entsteht, ist Vertrauen. 

Vertrauen ist nun aber eine Funktion der Zeit. Entscheidender Parameter dabei ist:

Die Konsistenz, mit der dem gemeinsamen Wertekanon entsprechend gehandelt und füreinander eingestanden wird.

Wächst das Vertrauen, werden im so entstehenden gemeinsamen Handlungsraum unglaubliche Leistungen möglich, weil alle Energie kooperativ und kreativ, statt auf der persönlichen Ebene konfrontativ wirkt. Dies streben wir im Frankfurter Kollegium und darüber hinaus mit jedem, der dafür offen ist, ausdrücklich an.

Jenseits der Gegensätze beginnt die wahre Arbeit 

Wo angebliche Gegensätze sich in Komplexität brechen, ist Arbeit angesagt. Es müssen Arbeitsprozesse definiert – und veröffentlicht (!) – werden, die den Anforderungen der notwendigen Transparenz vollständig genügen und gleichzeitig die Effektivität der Arbeit optimal unterstützen. Zu wissen, wie genau gearbeitet wird und wann Ergebnisse wozu transparent gemacht werden, unterstützt das Entstehen und Wachstum von Vertrauen.

Transparenz 2.0: Konzept der sinnvoll abgestuften Transparenz und der Angemessenheit des Zuganges

Transparenz bedeutet für uns die Nachvollziehbarkeit des Handelns von Politik und des Zustandekommens politischer Entscheidungen von außen.

Dabei ist es Pflicht der Handelnden, die ‘Angemessenheit des Zugangs’ in jedem Falle und weitestgehend durch Dritte objektivierbar und nachvollziehbar festzulegen und auszugestalten.

Das Spektrum reicht dabei von einer 100% Holschuld – z.B.: geheime Wahlplakat-Kampagnen, die die Öffentlichkeit auf keinen Fall vorher sehen darf, die man sich als Pirat aber durch aktiven Kontakt mit der entsprechenden AG oder den Gestaltern durchaus anschauen und diskutieren kann …

… bis zu einer 100%igen Bringschuld – z.B.: “Ihr Planet muss einer Durchgangstrasse der Vogonen wegen gesprengt werden.”

So etwas MUSS im Moment der Entscheidung den Betroffenen aktiv und nachvollziehbar sicher mitgeteilt werden.

Zwischen diesen beiden Extremen liegt naturgemäß ein weites Feld von Möglichkeiten von offenen oder beschränkten PADs, passwortgeschützten Bereichen, AG-Sitzungen mit und ohne Streaming usw. usf.

Demnach ist Transparenz ist kein Wert im ethischen Sinne, sondern vielmehr ein Instrument bzw. eine Handlungsrichtlinie im Zusammenhang des fairen Umganges und Wettbewerbs von Menschen im politischen Raum.

Der Grund, hier zu sein und zu tun, was zu tun ist. 

Neben allen Prozessen und Sachdiskussionen halten wir für das Wichtigste:

Wir dürfen, egal wie hoch die Brecher gerade sind, niemals vergessen, wofür wir kamen: 

To better the world. Das Betriebssystem der Gesellschaft in einer für alle lebbaren Version zu rebooten. 

Das berührt das wesentliche Element politischen Handelns:

Die motivationale Lage der Person zu ihrem eigenen politischen Handeln. 

Was das unseres Erachtens (FK) für uns als Piraten bedeuten kann, haben wir u.a. im vorliegenden Papier niedergelegt. Gleichzeitig hegen wir alle grundsätzlich große Zweifel daran, dass die Mehrheit der politisch agierenden Personen und Politiker dieser Welt unsere – dem Guten für das Ganze – verpflichtete Motivation teilen. Auch wenn das als Lippenbekenntnis selbstverständliche Political Correctness ist.

Nachvollziehbarkeit mittels Transparenz auf allen politischen Bühnen der Republik und darüber hinaus 

Verstrickungen, Vorteilsnahmen, opaque Kooperationen, Lobbyismus, Erpressbarkeiten und Schlimmeres bestimmen einen Großteil der aktuellen politischen Landschaft.

Auf Basis des hier hergestellten Grundverständnisses des Themas Transparenz gilt es im Folgenden unter Einbeziehung aller in der Piratenpartei bereits erarbeiteten Forderungen zum Thema noch einen Schritt weiter zu gehen:

Wie genau soll auf welcher Ebene Transparenz für Bürger real und ultrapragmatisch hergestellt werden? Dazu gehört die detaillierte Analyse aller parlamentarischen Prozesse, der sie begründenden juristischen Rahmenbedingungen und der sich ‚eingeschlichenen‘ informellen Vorgehensweisen. Auf dieser Basis sowie genauer Kenntnis der Gesetze kann sich die Piratenpartei als hochkompetent positionieren und KONKRET Dinge ändern.

Wir stimmen daher voll umfänglich demauf dem LPT Bayern soeben entschiedneen Antrag zu, nachdem Gremien- und Fraktionssitzungen öffentlich stattfinden sollen.

Beispiel einer Pressemeldung: (Inspiriert von der Piratenpartei-Hessen, danke!)

Piraten fordern noch mehr Videoüberwachung

Streamokratie: Kameras in alle Parlamente 

Berlin. Die Piratenpartei Deutschland fordert, dass alle als ‚öffentlich‘ durchgeführten Sitzungen in Stadt, Kreis, Land und Bund per sofort gestreamt – Live ins Internet übertragen – werden. Dies entspricht den gesetzlichen Bestimmungen, den inzwischen äußerst günstig umzusetzenden technischen Möglichkeiten sowie dem von Piraten geforderten ‚Recht auf Teilhabe‘. „Das man pinzipiell dabei sein dürfe, reicht nicht“, so ein Sprecher der Piratenpartei:“auch Behinderte und alle anderen, aus beruflichen oder sonstigen Gründen an der Teilnahme an Parlamentssitzungen ausgeschlossen sind, müssen nachvollziehen können, wie die politische Klasse arbeitet und was genau sie beschließt. Presseberichte reichen da längst nicht aus.“

Als ausführende Organe dieser Übertragungen auf eine entsprechend der Struktur der deutschen Verwaltungsorgane aufgebauten Online-Plattform kommen naturgenäß die Öffentlich/Rechtlichen Sendeanstalten zum Zuge. Diese können hier ihrem Informations- und Bildungsauftrag im 21. Jahrhundert angemessen entsprechen.

Entsprechende Anträge werden durch die Piratenpartei kurzfristig in alle relevanten Parlamente eingebracht. Die Piraten werden aktuell veröffentlichen, welche Parlamente dieser Forderung nach Transparenz und Teilhabe nachkommen, und welche nicht.

Tja:

Wir wissen, es gibt unendlich viel zu tun. Wie singt Sting auf ‘The Soul Cages’ so schön: „A new ship to be build, new work to be done …“ 

Ahoi Piraten, alle Mann an Deck und vollen DisKurs vorraus!

 Anhang

Zur Methodik persönlicher Transparenzkompetenz 

Unvollständige Fragen-Liste zur Steigerung der Eigen- und Fremdwahrnehmung:

  • Unterstelle ich dem anderen unlautere Motive? 
    • Wenn ja, welche genau? 
    • Wie komme ich darauf, dass dem so sei? 
  • Was sind meine unausgesprochenen Vorannahmen in Bezug auf Person und Thema? 
  • Inwiefern habe ich etwas davon, dem anderen unlautere Motive zu unterstellen? 
  • Wie kann ich auf eine wertschätzende Art mit ihm darüber so reden, dass ich herausbekomme, was tatsächlich der Fall ist? 
  • Gebe ich Anlass, Unlauteres bei mir zu vermuten? 
    • Woran könnte das liegen? 
    • Wie kann ich das erkennbar ändern? 
  • Sind meine eigenen Motive förderlich für den politischen Prozess und die Partei? 
  • Muss ich denn so handeln wie jetzt – oder ginge es nicht auch anders? 
  • Fördert das oder erschwert es die Arbeit unnötig? 
  • Vor welchem Hintergrund würde ich genau so denken und fühlen wie mein Gegenüber? 

Grundsätzlich alles so gelassen wie möglich ansprechen, ohne Wut, ohne Vorwurf, sondern um es wirklich offen zu besprechen.

Let’s Coopirate!

 

Für dieses System ist ein Update verfügbar – ach … wo denn?


Nachdem das Netz, das uns alle verbindet durch das Internet sichtbar und explizit nutzbar wurde, steht eine fundamentale Umwälzung unserer Gesellschaftssysteme an. Wir evolvieren in einer alles erfassenden BEWEGUNG vom konfrontativen Modell zu kooperativen Modellen. Dies entspricht der Struktur des Lebens und unseren Gehirnen – Selbstorganisation in Freiheit innerhalb variabler Systeme. Was früher die Großfamilie war, wird – wenn auch unter Schmerzen – zur Global Family, in der sich die Familienmitglieder gegenseitig unterstützen. Aggression, Krieg, Gier, Kontrollzwang etc. werden als seelische Manko-Krankheiten verstanden, bei denen wir die Aufgabe der Heilung haben. Und überhaupt: Eine kooperative Gesellschaft macht einfach viel mehr Spaß!

Destawegen: Let’s coopirate!

Replik zu Spiegel Online Artikel „Piraten in der Krise – Die Paralysierten“


Die ‚richtige‘ Schwarze PR vom SPON kurz vor dem Wahlmarathonjahr 2013. Die Piratenpartei auf unglückliche Personalien zu reduzieren ist unsauberer, wenn nicht gar absichtsvoller Journalismus, aber wer wird denn Böses hierbei denken …
Tatsächlich hatten wir einen klasse Bundesparteitag, bei dem unter anderem auf einer klar definierten Werte-Ebene als auch detailliert programmatisch das Profil deutlich geschärft wurde. Aber wie schon Volker Pispers so treffend sagte: „Wer liest schon Wahlprogramme?!“
Und wenn unser Bundesvorsitzender etwas verbal rumschwächelt, heißt das nicht, dass wir nicht weiter hart am Wind arbeiten.

Die Piratenpartei ist und bleibt eine Stimme aus der Mitte der Gesellschaft. Nämlich jener, die bereits aufgegeben hatten, politisch überhaupt eine Stimme zu haben. Wir sind die APO in den Parlamenten und werden nicht aufhören, unbequeme Fragen zu stellen.

Zum Beispiel, wie es sein kann, dass das Morgenmagazin übergeneralisierend aufmacht mit „Deutsche wollen mehr Videoüberwachung“, obwohl Infratest in Wirklichkeit gefragt hat: „Nach dem versuchten Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof wird über eine Ausweitung der Videoüberwachung diskutiert. Wie ist Ihre Meinung: Befürworten Sie eine Ausweitung der Videoüberwachung auf … Bahnhöfen oder lehnen Sie eine Ausweitung ab?“

Wenn man nämlich fragt, ob Sie Bewegungsprofile von sich selbst gespeichert haben wollen, würden die gleichen Menschen alle mit Nein antworten. Au Backe, it’s an Info War. Gut, dass es die Aufklärungs-Guerrilleros gibt 🙂

Aufrichtige Weihnachten wünscht @SteinHolzheim

Sogar der Link ist link:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/piraten-verharren-in-umfragen-bei-drei-prozent-die-gelaehmte-partei-a-873911.html

Frankfurter Kollegium – warum die Einrichtung eines Labors den Piraten nutzt


Wir haben uns von Einigen zurückgezogen, um besser für alle da zu seinKollegium-Gruendung-Frankfurt_klein
Der kulturelle Umgang – vor allem im schriftlichen – Miteinander in der Piratenpartei bereitet Menschen, die an professionelle, wertschätzende und an nie ins persönliche gehende Kommunikation gewohnt sind, kaum erträgliche Schmerzen.
Mehr noch: Da wir lieben, wofür wir stehen und was wir gemeinsam erreichen wollen, macht es uns sehr, sehr traurig. Und weil wir uns dabei ohnmächtig fühlen – denn wir können jene, die auf diese Arten kommunikativ entgleisen, nicht ändern, macht es uns irgendwann auch wütend. Denn persönlich beleidigende und unreflektiert emotionale Kommunikation in der freien Öffentlichkeit schadet unverhältnismäßig stark und nachhaltig unserer Partei und ihre Glaubwürdigkeit.
Ich bin überzeugt, dass wenn wir öffentlich ein souveräneres und kommunikativ wertschätzendes Bild abgeben würden, wir für dramatisch mehr Menschen erkennbar die richtige Partei sind.
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Verrat? Mitnichten!
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Was uns aktuell vorgeworfen wird, ist, dass wir uns ein Stück weit abtrennen von ‚Der großen Verbindung‘. Vielleicht sind wir ’schuldig‘ darin, dass wir bislang versucht hatten, dies als motivationalen Treiber nicht so deutlich werden zu lassen. Statt dessen haben wir mit politischen Inhalten wie Sozial/Liberal etc. argumentiert – was übrigens inhaltlich alles Wort für Wort gemeint ist. Aber das ist eben nicht die ganze Wahrheit. Und wer so sensibel wie wir Piraten ist, bekommt aus gutem Grunde ein Störgefühl: „Da fehlt doch noch was! Was ist das für eine ‚Hidden Agenda‘, die nicht gesagt wird?“ Nun, wir hatten Angst. Obwohl wir wussten, dass der Shitstorm aus Halbwahrheiten, Verdächtigungen und Schlimmerem kommen würde, fürchteten auch wir an der Stelle die volle Offenheit.
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Das hatte im m.E. im wesentlichen zwei Gründe:
  1. Wir hatten wohl – wie viele andere – Angst, laut zu sagen, dass wir als Gruppe gute Gründe haben, bestimmte Arten von Leuten aus unserer eigenen Arbeit auszuschließen. Denn genau die, mit denen wir aus den oben genannten Gründen der nicht wertschätzenden Kommunikation nicht zusammenarbeiten wollen und können, packen an der Stelle öffentlich das Maschinengewehr aus.
  2. Auch der zweite wichtige Grund, nämlich mit dem Frankfurter Kollegium ein in der Öffentlichkeit hochprofessionelles, tagesaktuell reagierendes und vertrauenswürdiges Gesicht innerhalb der Piratenpartei zu erschaffen, wird vielen nicht schmecken. Im Kollegium findet sich eine außergewöhnlich hohe Dichte von erfahrenen Profis in Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Wir wissen, wie die gnadenlose Maschinerie des Journalismus läuft und wie scharf viele sind, genussvoll öffentliche Schlachtungen vorzunehmen. Wir haben jeder selbst leidvoll erfahren, dass nur gute Absichten gekoppelt mit Naivität in Bezug auf die realen Gefahren schnell öffentlich durchgeführtem Selbstmord gleichkommt.
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Das haben wir doch kommen gesehen …
„Wie dumm von uns“, könnte man also sagen, doch die jetzt laut werdende Verdächtigung jener, die am lautesten schreien: „Verrat!“ könnte falscher nicht sein.
Wir tun das alles FÜR UNS PIRATEN! Und wir werden allen die dabei rumkommenden – möglichst gut gereiften, vollpiratigen TrippleA -Früchte  unserer Arbeit zur offenen Diskussion bereit stellen. Das ist ja der Sinn der ganzen Übung. Also lasst uns was draus machen! Wir wollen für viele, die ähnlich denken wie wir – und längst – im Verborgenen (!) – ihre ‚Trollfreien Zonen‘ gegründet haben – ein Vorbild an Offenheit und effizienter piratiger Arbeitsweise sein. Und dazu gehört auch, dass man, wie mein Vater stets sagte:“Erst richtig nachdenkt – und dann erst den Mund aufmacht, um zu sprechen.“ Sprich: Sich auch in gemeinsamer Arbeit, z.B. auf Pads, die Öffentlichkeit erstmal raushält, bis etwas der Veröffentlichung und Diskussion Würdiges dabei herausgekommen ist. Diese und ähnliche Überlegungen werden wir in Grundsatzpapieren zu Themen wie Transparenz und Kooperation in die öffentliche Diskussion einbringen
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Lessons learned – Lasst uns den Shitstorm nutzen, um genau das Thema ‚Wertschätzende Kommunikation‘ zu platzieren
Wir wollten uns nicht öffentlich steinigen lassen für unsere guten Absichten. Nachdem jetzt aber die Steine geflogen sind, lasst uns etwas damit aufbauen.
Wir rufen alle Piraten dazu auf, sichtbare ‚Trollfreie Zonen‘ für sich und ihre Mitstreiter zu bauen, in denen ausschließlich wertschätzend und vernünftig kommuniziert wird.
Wir haben uns dazu schriftlich verpflichtet. Und durch unsere Form sichergestellt, dass das in unserer Arbeit auch so bleibt. Und jetzt werden wir – sobald wir alle Weihnachten überlebt haben – inhaltlich arbeiten, was das Zeug hält. Wir sind unterwegs in schwere See und es sind Orkane angesagt. Niemand hat Zeit und Muße für lähmenden Streit. Für uns alle gilt: „All hands on deck!“ und unsere Flotte mit stolz gehissten Fahnen in die anstehenden Wahlkämpfe zu führen, wo Kanonenboote und Schlimmeres uns erwartet. Tut es uns gleich und lasst uns unsere gemeinsame Arbeit auf ein neues Niveau von Wirkung und Souveränität hieven. Setzt ALLE Segel und volle Kraft voraus!

Die Realität spielt uns thematisch Flanken, wir träumen weiter?


#piraten .Hey Leute – das kann ja wohl nicht wahr sein! 500 Polizisten stürmen die Deutsche Bank, IT Leute bedienen gegen Kohle Lobbyisten und wir? Trauern über 3% ???!!! Das, was uns eine starke Basis im Volk gibt, geben könnte ist genau das, was in solchen Momenten alle fühlen. Intransparenz und Hinterzimmerbetrügereien allenthalben! Alle vermuten, Nein – wissen, dass das nur die Minispitze eines gigantischen Milliardenschweren Eisberges ist. Das sind unsere Themen. Wir müssen sie belegen, bevor es andere tun! Wenn wir das konsequent machen, gehen wir fett in den Bundestag,