Frankfurter Kollegium – warum die Einrichtung eines Labors den Piraten nutzt


Wir haben uns von Einigen zurückgezogen, um besser für alle da zu seinKollegium-Gruendung-Frankfurt_klein
Der kulturelle Umgang – vor allem im schriftlichen – Miteinander in der Piratenpartei bereitet Menschen, die an professionelle, wertschätzende und an nie ins persönliche gehende Kommunikation gewohnt sind, kaum erträgliche Schmerzen.
Mehr noch: Da wir lieben, wofür wir stehen und was wir gemeinsam erreichen wollen, macht es uns sehr, sehr traurig. Und weil wir uns dabei ohnmächtig fühlen – denn wir können jene, die auf diese Arten kommunikativ entgleisen, nicht ändern, macht es uns irgendwann auch wütend. Denn persönlich beleidigende und unreflektiert emotionale Kommunikation in der freien Öffentlichkeit schadet unverhältnismäßig stark und nachhaltig unserer Partei und ihre Glaubwürdigkeit.
Ich bin überzeugt, dass wenn wir öffentlich ein souveräneres und kommunikativ wertschätzendes Bild abgeben würden, wir für dramatisch mehr Menschen erkennbar die richtige Partei sind.
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Verrat? Mitnichten!
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Was uns aktuell vorgeworfen wird, ist, dass wir uns ein Stück weit abtrennen von ‚Der großen Verbindung‘. Vielleicht sind wir ’schuldig‘ darin, dass wir bislang versucht hatten, dies als motivationalen Treiber nicht so deutlich werden zu lassen. Statt dessen haben wir mit politischen Inhalten wie Sozial/Liberal etc. argumentiert – was übrigens inhaltlich alles Wort für Wort gemeint ist. Aber das ist eben nicht die ganze Wahrheit. Und wer so sensibel wie wir Piraten ist, bekommt aus gutem Grunde ein Störgefühl: „Da fehlt doch noch was! Was ist das für eine ‚Hidden Agenda‘, die nicht gesagt wird?“ Nun, wir hatten Angst. Obwohl wir wussten, dass der Shitstorm aus Halbwahrheiten, Verdächtigungen und Schlimmerem kommen würde, fürchteten auch wir an der Stelle die volle Offenheit.
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Das hatte im m.E. im wesentlichen zwei Gründe:
  1. Wir hatten wohl – wie viele andere – Angst, laut zu sagen, dass wir als Gruppe gute Gründe haben, bestimmte Arten von Leuten aus unserer eigenen Arbeit auszuschließen. Denn genau die, mit denen wir aus den oben genannten Gründen der nicht wertschätzenden Kommunikation nicht zusammenarbeiten wollen und können, packen an der Stelle öffentlich das Maschinengewehr aus.
  2. Auch der zweite wichtige Grund, nämlich mit dem Frankfurter Kollegium ein in der Öffentlichkeit hochprofessionelles, tagesaktuell reagierendes und vertrauenswürdiges Gesicht innerhalb der Piratenpartei zu erschaffen, wird vielen nicht schmecken. Im Kollegium findet sich eine außergewöhnlich hohe Dichte von erfahrenen Profis in Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Wir wissen, wie die gnadenlose Maschinerie des Journalismus läuft und wie scharf viele sind, genussvoll öffentliche Schlachtungen vorzunehmen. Wir haben jeder selbst leidvoll erfahren, dass nur gute Absichten gekoppelt mit Naivität in Bezug auf die realen Gefahren schnell öffentlich durchgeführtem Selbstmord gleichkommt.
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Das haben wir doch kommen gesehen …
„Wie dumm von uns“, könnte man also sagen, doch die jetzt laut werdende Verdächtigung jener, die am lautesten schreien: „Verrat!“ könnte falscher nicht sein.
Wir tun das alles FÜR UNS PIRATEN! Und wir werden allen die dabei rumkommenden – möglichst gut gereiften, vollpiratigen TrippleA -Früchte  unserer Arbeit zur offenen Diskussion bereit stellen. Das ist ja der Sinn der ganzen Übung. Also lasst uns was draus machen! Wir wollen für viele, die ähnlich denken wie wir – und längst – im Verborgenen (!) – ihre ‚Trollfreien Zonen‘ gegründet haben – ein Vorbild an Offenheit und effizienter piratiger Arbeitsweise sein. Und dazu gehört auch, dass man, wie mein Vater stets sagte:“Erst richtig nachdenkt – und dann erst den Mund aufmacht, um zu sprechen.“ Sprich: Sich auch in gemeinsamer Arbeit, z.B. auf Pads, die Öffentlichkeit erstmal raushält, bis etwas der Veröffentlichung und Diskussion Würdiges dabei herausgekommen ist. Diese und ähnliche Überlegungen werden wir in Grundsatzpapieren zu Themen wie Transparenz und Kooperation in die öffentliche Diskussion einbringen
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Lessons learned – Lasst uns den Shitstorm nutzen, um genau das Thema ‚Wertschätzende Kommunikation‘ zu platzieren
Wir wollten uns nicht öffentlich steinigen lassen für unsere guten Absichten. Nachdem jetzt aber die Steine geflogen sind, lasst uns etwas damit aufbauen.
Wir rufen alle Piraten dazu auf, sichtbare ‚Trollfreie Zonen‘ für sich und ihre Mitstreiter zu bauen, in denen ausschließlich wertschätzend und vernünftig kommuniziert wird.
Wir haben uns dazu schriftlich verpflichtet. Und durch unsere Form sichergestellt, dass das in unserer Arbeit auch so bleibt. Und jetzt werden wir – sobald wir alle Weihnachten überlebt haben – inhaltlich arbeiten, was das Zeug hält. Wir sind unterwegs in schwere See und es sind Orkane angesagt. Niemand hat Zeit und Muße für lähmenden Streit. Für uns alle gilt: „All hands on deck!“ und unsere Flotte mit stolz gehissten Fahnen in die anstehenden Wahlkämpfe zu führen, wo Kanonenboote und Schlimmeres uns erwartet. Tut es uns gleich und lasst uns unsere gemeinsame Arbeit auf ein neues Niveau von Wirkung und Souveränität hieven. Setzt ALLE Segel und volle Kraft voraus!
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Eine Antwort zu “Frankfurter Kollegium – warum die Einrichtung eines Labors den Piraten nutzt

  1. Es gibt einen Werbespruch zu Pfefferminzbonbons: “ Sind sie zu stark-bist du zu schwach “ , jeder kennt ihn und jeder kennt die Pfefferminzbonbons. Ist man also zu schwach kauft man eben andere leichtere Pfefferminzbonbons.Aber kann man einfach eine andere, leichtere Partei “ kaufen “ ?
    Kann man, wenn man Freibeuter-Blut hat eine Light – Version der Piratenpartei kaufen ? Nein, zumindest Vollblutpiraten können das nicht. Das Frankfurter Kollegium nimmt für sich in Anspruch, aus Vollblutpiraten zu bestehen. Damit fällt die Ligth – Version schon aus dem Katalog der Möglichkeiten herraus. Was soll man also tun, wenn man “ zu schwach…sich fühlt “ ? Zu schwach für Shitstorms, zu schwach verbalen Blödsinn zu verkraften, zu schwach persönliche Angriffe unterhalb der Gürtellinie hinnehmen zu können ?
    Die eine Möglichkeit ist eben die Gründung eines solchen Kollegiums, Grundungsform und Procedere lasse ich mal dahingestellt. Ein Weg jedoch, welcher die große Gefahr in sich birgt, irgendwann mal die Partei in Lager zu spalten. Ein Weg, welcher irgendwann mal zu Parteieliten führen wird. Ob das noch piratischen Grundsätzen entspricht …?
    Die zweite Möglichkeit wäre der Schulterschluß mit den Massen, die pure Offenheit schlechthin, die Nennung von Roß und Reiter Deutschland – weit, aller Strörenfriede, aller Trolle, aller Kommunikations-Ideoten. Die Ächtung all dessen, was uns ALLE ( und nicht nur euch Frankfurter Kollegen ) maßloß stört und in der politischen Arbeit zurück wirft. Die gezielte Hexenjagt nur seitenverkehrt und der Scheiterhaufen sind die Massen.
    Für gute politische Arbeit wäre dann genung Raum in vorhandenen parteilichen Strukturen wie PGs, AGs und AK s. Dort solltet Ihr euch zusammenschließen, euch ein strenges Satzungswerk vorgeben, dann wäre ein Elitekreis nicht notwendig gewesen.
    Jürgen Hansen
    Basisgurke aus Gelsenkirchen
    PS: Der Verfasser dieses Kommentars weiß von was er hier spricht, denn wer sich mit der Piraten – Geschichte Gelsenkirchens im Jahre 2012 etwas beschäftigt wird genau das feststellen, nur in weitaus krasseren Auswüchsen, vor welchem Ihr zu flüchten versucht. Und der Kampf tobt immernoch……

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